Über «Umweltdorf Schweiz»

Die kurze Erklärung: Es gibt aktuell noch kein physisches Umweltdorf. Das «Umweltdorf» ist aber auch in Deinem Kopf und in Deinem Herzen. Es sind die inneren Bilder, deine Erinnerungen an die Orte, an denen Du gerne lebst, an denen Du gerne arbeitest und liebend gerne Deine Freizeit verbringst. Seit der Corona-Pandemie haben diese Bilder sicher noch an Bedeutung gewonnen.

Wir haben hier im Netzwerk konkrete Pläne mit diesen inneren Bildern: Wir möchten mehr als ein reales Umweltdorf ins Leben rufen: Gemeinden in der Schweiz, die mehr tun für eine lebenswerte Umwelt mit Zukunft, als ihnen das Gesetz vorschreibt, oder Quartiere, in denen die Menschen sich besonders engagieren für die Umwelt sollen ausgezeichnet werden mit Umweltsternen.

Und wir wollen, dies das übergeordnete Ziel, eine Genossenschaft gründen, um jeweils über das Jahr hinweg immer wieder Projekte unterstützen und realisieren zu können für eine lebenswerte Umwelt mit Zukunft!

Die Coworking-Plattform mit Videochat für Gruppen gibt es bereits und darin integriert ein JobBoard für Umweltjobs sowie die ersten Informationen zu den Umweltsternen. Es geht ums Tätigsein in einer Gemeinschaft von kreativen, engagierten Menschen. Wirst Du auch aktiv?

Coworking mit Videochat

Die etwas längere Geschichte: 2019 sassen wir in den warmen Abendstunden oft neben der ↑ Metasequoia glyptostroboides, einem Urweltmammutbaum, den Walter Bosshard, damals Direktor am ↑ WSL in Birmensdorf, vor 50 Jahren als Aufrichtebaum nach Aesch gebracht hatte. Diese Baumart gilt als lebendes Fossil und wurde erst 1941 im Südwesten Chinas entdeckt, in jener Provinz ↑ Hubei, deren Hauptstadt Wuhan aktuell wegen COVID-19 in aller Munde ist.

Beni arbeitet bei einem Schweizer Agrarunternehmen und Gergö ist jetzt in Wien für sein Studium der Umweltwissenschaften. HansRuedi «baut» Dinge wie dieses Netzwerk. Wir sprachen wie sehr viele Menschen im Sommer 2019 über den ↑ Klimawandel und darüber, was mit unserer Umwelt jetzt passiert und weiter geschehen wird, wenn nicht jeder Einzelne von uns bereit ist, seinen Lebensstil in Bezug auf die ↑ Umwelt kritisch zu überdenken. Vom ↑ Corona-Virus war damals natürlich in der Öffentlichkeit noch keine Rede.

Und so hat sich die Idee «Umweltdorf» in unsere Köpfe gesetzt, die Idee, dass keine Wandelwahl, kein Gesetz und kein Lippenbekenntnis genügen wird, um bis 2030 oder 2050 (was immer je nach politischer Ausrichtung gelten soll) die sogenannte ↑ Klimaneutralität zu erreichen. Es braucht den Wandel der Werte, von dem Walter schon zu Zeiten des durch ihn proklamierten Waldsterbens gesprochen hatte:

«Die Einsicht in die Tatsachen und Zusammenhänge der Umweltprobleme ist eine, aber nicht die alleinige Voraussetzung für Fortschritte bei den Massnahmen. Die Bereitschaft zum Handeln erwächst nur zum kleinsten Teil aus Einsicht und Vernunft. Einschneidende Änderungen im menschlichen Verhalten bedürfen stärkerer Antriebe. Die Erfahrung zeigt, dass selbst existentielle Bedrohungen nicht zwingend zu raschen und situationskonformen Verhaltensänderungen führen.»

«Offenbar sind Antriebe nötig, die nur aus einem grundlegenden Wandel eines Teils unserer gesellschaftlichen Wertvorstellungen erwachsen können…»¹

Dieser Wandel betrifft jeden einzelnen von uns. Es braucht aber nicht nur tiefgreifende seelische Erschütterungen, wie Walter es genannt hatte, es bedingt Austausch, Kommunikation und Ermutigung. Es bedingt erstens eine Zusammenarbeit, die sehr gut ↑ Bottom-up funktionieren kann…

…und weil der Mensch als einziges Lebewesen nach ↑ Fortschritt strebt kann umweltverträgliches Verhalten und Handeln nur dann zur Normalität werden, wenn es, zweitens, diesem Trieb gerecht wird; gerecht in dem Sinn, dass zum Beispiel wieder Sesshaftigkeit als modern angesehen wird und nicht nur die unbändige Mobilität trotz fortschreitender Digitalisierung. Ja, wir blieben dann zu Hause, aber wie erwähnt, begonnen hat diese Initiative viele Monate vor COVID-19 und dem sogenannten Lockdown vom 17. März 2020.

Jeder und jede spricht heute von Altersvorsorge, aber kaum jemand von ↑ Umweltvorsorge. Solche Gedanken haben uns an diesen Abenden beschäftigt und umgetrieben. Und noch dies: Viele Initianten beginnen die umweltschonenden Prozesse als Pilotprojekt. Wir denken, dies das dritte Kriterium, es braucht mehr als das, es braucht ↑ Leuchtturmprojekte, die zur Nachahmung ermutigen und als Vorbild dienen können.

Einen Meilenstein haben wir bereits erreicht: am Sonntag, dem 20.10.2019 (der Tag, an dem die Grünen 17 Sitze im ↑ Nationalrat hinzugewannen) konnten wir stolz umweltdorf.swiss in einer ersten Fassung präsentieren.

Coworking mit Videochat

 ¹ ↑ Zitat aus der Gedenkschrift der Eidg. Forschungsanstalt WSL für Walter Bosshard (1926 – 1986)